Unternehmen versenken - ein neuer Kult

Wiebke Brüssel

November 2016

 

Haben Sie das auch schon gehört? Bei Wirtschaftsveranstaltungen aller Art wird in letzter Zeit öfter die amerikanische „Kultur des Scheiterns“ beschworen. Wir hören Sätze wie „wer in Amerika nicht mindestens zweimal gescheitert ist, wird als Unternehmer nicht ernst genommen“. Es hat den Anschein, als würde diese „Kultur“ auch als Vorbild für deutsche Unternehmen herangezogen.

 

Als Strategieberaterin regt sich bei mir dann immer Widerstand. Und tatsächlich bin ich nicht die Einzige, die so denkt. Unterstützung fand ich jetzt in einem Artikel in der Ausgabe 45/2016 der Wirtschaftswoche. Die Autoren wiesen darauf hin, dass unternehmerisches Scheitern nicht wie in einem Computerspiel funktioniert. Ist das „Game over“, beginnt man dann meistens nicht einfach wieder von vorne.

 

Es ist unbestritten, dass wir aus Fehlern besonders gut lernen. Aber müssen wir dafür ein Unternehmen in die Insolvenz führen? Und können die Gescheiterten dann einfach wieder aufstehen, den Staub aus der Kleidung klopfen und wieder in den Sattel steigen?

 

Aus dem Artikel geht hervor, dass das oft so positiv dargestellte unternehmerische Scheitern tiefe Schattenseiten hat. Zunächst ist die Erfahrung schmerzlich und verunsichernd. Die Betroffenen schämen sich für Ihren Misserfolg. Das ist auch nicht innerhalb von ein paar Tagen verwunden, das braucht Zeit. Die Motivation bekommt einen ganz ordentlichen Dämpfer. Und nicht nur die Unternehmerin oder der Unternehmer selbst ist betroffen. Oft verlieren Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze und viel Geld und Energie wird vernichtet. Dazu verhindert das Insolvenzrecht oft eine Neugründung, zumindest für einen gewissen Zeitraum.

 

Es scheint also wenig erstrebenswert zu sein, ein Unternehmen zu „versenken“, um so zu lernen, wie es richtig geht. Durch eine gute strategische Planung mit externer Begleitung können mögliche Fehlerquellen vorab durchgespielt und so verhindert werden. Der Lernprozess muss dadurch nicht leiden. Immerhin hilft es uns auch, zu erkennen, in welche Falle wir beinahe getappt wären. Ich stelle an mir selbst fest, dass wenn ich erkenne, dass etwas hätte passieren können, mich das genauso prägt, als wäre es passiert.

 

Eine strategische Planung ist natürlich keine Garantie dafür, dass wir immer erfolgreich sind. Aber wenn wir beweglich bleiben und unsere Planung als rollierendes System begreifen, sind wir auf einer weitaus besseren Seite. So bleiben wir als Unternehmerinnen und Unternehmer auch in unruhigen Zeiten auf einem guten Kurs.

 

Es schadet natürlich nichts, viel über die Fehler anderer zu erfahren und zu lernen – vor allem, wenn sie ihre unternehmerischen Misserfolge großzügig mit der Welt teilen. Sie verdienen großen Respekt dafür, dass sie so offen mit ihrem Scheitern umgehen. Aber nachmachen müssen wir das nicht. Dabei hilft eine gute Strategie.

 

Wer den Artikel „Der falsche Kult um das Scheitern“ nachlesen möchte, findet ihn im Archiv der Wirtschaftswoche Online.

 

 

Zur Autorin:

 

Wiebke Brüssel ist Diplom-Betriebswirtin. Seit 2013 ist sie Geschäftsführerin des Strategiebüro Bremen.

 

Das Team des Strategiebüro Bremen begleitet Unternehmen und Institutionen im privaten und öffentlichen Bereich bei der Durchführung erfolgreicher Workshops – von individuellen Themen bis zur Entwicklung von Zukunftsstrategien. Seit April 2017 sind wir Mitglied des Digitalisierungs-Beraterpools der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH.

 

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Strategiebüro Bremen GbR
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bruessel@strategiebuero-bremen.de

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Dieser Beitrag erschien im November 2016 auf den Exxtra Seiten Bremen
(www.exxtraseiten.de).

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