Intelligente Produkte mit Entsorgungsanleitung

Heiko H. Stutzke

Januar 2017

 

Früher war vieles einfacher: Ein Auto bestand aus Blech, Gummi, Stoff und ein bisschen Plastik. Mobiltelefone und Computer gab es nicht. Heute sieht das ganz anders aus: Leichtbau konkurriert mit Nutzungsanforderungen, Beruf und Freizeit verschmelzen, und heutige Produkte vereinen häufig eine Vielzahl von Funktionen. Denken Sie zum Beispiel an Sportkleidung mit eingebauten Sensoren oder Lebensmittelverpackungen, die automatisch den Frischegrad ermitteln und anzeigen. In Zukunft wird dieser Trend noch deutlich zunehmen. Je nach Betrachtungsweise ist ein Gegenstand dann ein Computer, ein vernetzter Kommunikator oder einfach nur ein Auto.

 

Unsere Welt wird damit zweifellos komfortabler, stellt aber auch mehr Ansprüche an uns. Ein Aspekt dabei ist, Produkte am Ende ihrer Lebensdauer so zu entsorgen, dass die darin enthaltenen Stoffe möglichst umfassend zurückgewonnen werden können. In vielen Fällen ist das heute nicht oder nur unzureichend möglich. Es bleibt letztlich das Schreddern und die anschließende Verbrennung eines Großteils der „Reststoffe“. Wir kennen das vom Gelben Sack, den wir mühevoll füllen, um am Ende festzustellen, dass eine Verwertung gar nicht erfolgt.

 

Dies ist alles andere als sinnvoll; es ist kontraproduktiv. Um die Anforderungen der Nationalen Klimaschutzinitiative von 2008 zu erfüllen, soll bis zum Jahr 2050 der Kohlendioxidausstoß um 80 bis 95 % verringert werden. Das kann nicht ohne eine umfassende Senkung des Anteils neu zu gewinnender Rohstoffe gelingen - es erfordert den Einstieg in eine „Kreislaufwirtschaft“. Eine wesentliche Anforderung ist also, nicht mehr benötigte oder defekte Produkte entweder auf andere Art weiter zu nutzen oder in ihre Grundmaterialien und Rohstoffe zu zerlegen.

 

Viele Produkte sind jedoch nur schwer zu recyceln: Gehäuse sind verschweißt, Batterien verklebt, und es gibt ein weiteres Grundproblem: Der Entsorger hat keinerlei Informationen über die enthaltenen Stoffe.

 

Hier setzt unsere Idee an: Unser einfaches System nutzt bereits vorhandene Techniken und kann dafür sorgen, dass

 

  • Produkte sinnvoll demontiert und
  • die enthaltenen Stoffe für die Weiterverwertung bereitgestellt werden können.

 

Das sollte folgendermaßen umsetzbar sein:

 

Ein neues Produktionskonzept mit „integrierter“ Entsorgungsanleitung

 

1

 

Das Design jedes Produkts wird so ausgelegt, dass eine sinnvolle Demontage und Entsorgung mit vergleichsweise einfachen Mitteln möglich ist.

 

 

 

2

 

Die enthaltenen Materialien und Grundstoffe werden mengenmäßig erfasst und gespeichert. Dabei werden auch die Orte gespeichert, an denen sie verbaut sind.

 

 

 

3

 

Neben dem Konstruktionsplan wird auch ein Entsorgungsplan erstellt, der denselben Detaillierungsgrad hat. Dabei werden die in Schritt 2 erfassten Daten genutzt.

 

 

 

4

 

Jedes Produkt enthält einen Eintrag in einer „Entsorgungs-Datenbank“.

 

 

 

5

 

Auf jedem Produkt wird ein QR-Code angebracht, über den die Entsorgungsanleitung webbasiert aufgerufen werden kann.

 

 

 

6

 

Es wird eine entsprechende gesetzliche Grundlage geschaffen, nach der alle Produkte entsprechend gekennzeichnet werden müssen.

 

 

 

7

 

Um Rechte am Produkt zu schützen, können geeignete Mechanismen entwickelt werden: Möglich wäre zum Beispiel eine zeitliche Verzögerung der Bereitstellung des Entsorgungsplans, ein Rechtesystem beim Zugriff auf die Datenbank oder die Pflicht zur Entsorgung des Produkts durch den Hersteller.

       

Sicher entstehen bei der weiteren inhaltlichen Ausarbeitung dieses Konzepts weitere Vorschläge zur sinnvollen Umsetzung. Insgesamt kann so erreicht werden, dass die Entsorgungsindustrie noch stärker als bisher zum Rohstofflieferanten wird.

Zum Autor:

 

Dr. Heiko H. Stutzke ist Diplom-Ökonom. Seit 2013 ist er Geschäftsführer des Strategiebüro Bremen.

 

Das Team des Strategiebüro Bremen begleitet Unternehmen und Institutionen im privaten und öffentlichen Bereich bei der Durchführung erfolgreicher Workshops – von individuellen Themen bis zur Entwicklung von Zukunftsstrategien. Seit April 2017 sind wir Mitglied des Digitalisierungs-Beraterpools der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH.

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