Ist Digitalisierung männlich?

Wiebke Brüssel
Juni 2017

 

 

Wie es der Zufall wollte, nahm ich in der ersten Maiwoche an zwei Veranstaltungen zum Thema „Digitalisierung“ teil. Eine davon war eine Abendveranstaltung, eine ein ganztägiger Fachkongress. Bei der Abendveranstaltung waren sechs Gäste auf der Podiumsbühne – alles Männer. Beim Fachkongress gab es zwar eine Moderatorin, doch die über 20 Referenten und Experten auf der Bühne waren ausschließlich Männer. Ist Digitalisierung männlich? 

 

Wenn das so wäre, müsste es dann ja eigentlich  „der Digitalisierung“ und nicht „die Digitalisierung“ heißen. Aber Grammatik beiseite – warum waren bei diesen Veranstaltungen keine Frauen auf der Bühne?

 

Mir geht es hier nicht um Quoten oder Ungleichheit. Ich setze an dieser Stelle voraus, dass es keine Absicht war, nur Männer einzuladen. Bei der Abendveranstaltung wurde laut Einladung sogar eine Teilnehmerin angefragt. Ich vermute, dass sie den Termin nicht wahrnehmen konnte. Beim Kongress wäre bei so vielen eingeladenen Experten sicher Raum für mindestens eine Geschäftsführerin oder Vertreterin der Wissenschaft gewesen.

Ich finde, dass Frauen sich in diesem wichtigen Zukunftsbereich noch viel zu rarmachen.

 

Das muss aber nicht sein, denn dafür ist nicht immer ein MINT-Studium erforderlich: In der Welt der Digitalisierung gibt es so viele Anforderungen und Aufgaben, bei denen es auf andere Talente und Kompetenzen ankommt. Hier sind einige davon:

  • Digitalisierung verändert Arbeitsplätze. Damit umzugehen, erfordert viel Fingerspitzengefühl, vor allem von Führungskräften. Hierarchisches Arbeiten und permanente Kontrolle sind nicht mehr gefragt. Gebraucht werden Führungskräfte, die Beziehungsmanager, Motivatoren und Moderatoren sind. Sie sorgen dafür, dass Teams mit jüngeren und älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ihre Fähigkeiten optimal ergänzen können. Dazu gehört auch der Aufbau einer Kultur, die Fehler als Lerneffekt anerkennt und auf Vertrauen basiert.
  • IT-basierte Produkte brauchen „Übersetzer“, die zwischen Technik und Kunden (oder Mitarbeiter-Teams) vermitteln. Hier zählt die Fähigkeit, Wissen und Nutzen verständlich zu machen. Wer ein Talent hat, in Zusammenhängen zu denken, hat Vorteile. Wer gut mit Sprache umgehen kann, noch mehr. Und wer ein Gefühl dafür hat, was Kunden eigentlich brauchen und sich wünschen, ist unentbehrlich.
  • Im digitalen Wandel müssen vorhandene Geschäftsprozesse angepasst und neue Prozesse entwickelt werden. Frauen, die oft mehrere Rollen gleichzeitig wahrnehmen und erfüllen können, haben schon ein Gespür für funktionierende Prozesse. Diese Fähigkeit können Sie einbringen.
  • Sicherheit im IT-Bereich wird täglich wichtiger. Wenn Frauen dafür kein Talent hätten, gäbe es in Bremen wohl keine Landes-Datenschutzbeauftragte.

Das sind wirklich nur einige Anforderungen, die in unserer schönen neuen Welt an uns gestellt werden. Für jede davon bringen Frauen schon Kompetenzen mit oder können sie leicht erwerben. Ich hoffe, dass sich jetzt viele Leserinnen dieser Kolumne auf den Weg machen, um im weiten Feld der Digitalisierung mitzumischen. Einige von ihnen sehe ich dann demnächst bei einer Digitalisierungs-Veranstaltung - auf der Bühne.

 

Zur Autorin:

 

Wiebke Brüssel ist Diplom-Betriebswirtin. Seit 2013 ist sie Geschäftsführerin des Strategiebüro Bremen.

 

Das Team des Strategiebüro Bremen begleitet Unternehmen und Institutionen im privaten und öffentlichen Bereich bei der Durchführung erfolgreicher Workshops – von individuellen Themen bis zur Entwicklung von Zukunftsstrategien. Seit April 2017 sind wir Mitglied des Digitalisierungs-Beraterpools der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH.

 

Weitere Informationen zu Wiebke Brüssel und Kontakt:

 

Strategiebüro Bremen GbR
Tel. 0421 – 69 20 99 68
bruessel@strategiebuero-bremen.de

www.strategiebuero-bremen.de
Auf Facebook und Twitter: @StrategieBremen

 

Dieser Beitrag erschien im Juni 2017 auf den Exxtra Seiten Bremen
(www.exxtraseiten.de).

 

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