Neue Wege bei Plastik & Co.

Heiko H. Stutzke

August 2018

 

„Noch vor Ablauf der nächsten zehn Jahre soll ein US-Amerikaner den Mond betreten und gesund wieder auf die Erde zurückkehren.“ Dieser Satz von US-Präsident John F. Kennedy am 25. Mai 1961 veränderte die Art, wie wir heute auf der Welt leben.

 

Der Startschuss zur Eroberung des Weltalls führte zu ganz neuen Herausforderungen: Die Technologien, um Menschen zum Mond zu bringen, dort zu landen und wieder zurückzukehren, gab es schlicht und ergreifend nicht. Was es aber gab, waren der Wille, Lösungen zu finden und dafür die fähigsten Köpfe aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammenarbeiten zu lassen. Dass das klappen könnte, war den Amerikanern spätestens seit dem „Manhattan Project“ klar, der Entwicklung der Atombombe im Zweiten Weltkrieg.

Gut acht Jahre später, am 21. Juli 1969, betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Ziel erreicht.

 

Warum ist das heute immer noch wichtig?

 

Es zeigt, was eine Nation erreichen kann, wenn die Ziele klar definiert sind, die Rahmenbedingungen stimmen und die Unterstützung auf allen Ebenen und jederzeit gewährleistet ist.

 

Heute stehen wir wieder vor einer Herausforderung ähnlicher Größenordnung. Damit ist diesmal nicht der Klimawandel gemeint, sondern eine Entwicklung, die lange Jahre kaum beachtet wurde, jetzt aber mit Macht und buchstäblich an unsere Küsten schwemmt: Plastikmüll.

 

Während wir früher darüber hinwegsehen konnten, dass hier und da Kunststoff in der freien Natur lag oder schwamm, sind solche Hinterlassenschaften heute vermutlich auf jedem Quadratmeter Erdboden oder Meeresoberfläche zu finden. Und das ist ja auch kein Wunder: Zum einen hat sich niemand damit beschäftigt, das Zeug abbaubar zu machen. Zum anderen wird weltweit der allergrößte Teil des Kunststoffabfalls schlicht keiner ordnungsgemäßen Entsorgung zugeführt. Immerhin gibt es bei uns ja die Kennzeichnungspflicht und den Gelben Punkt. Ein kleiner Tropfen auf einen sehr heißen Stein.

 

Übrigens: Es ist nicht wirklich wünschenswert, den für Bauaktivitäten benötigten Sand unserer Strände einfach durch Mikroplastik zu ersetzen.

 

Was wird bereits getan?

 

Das aktuell diskutierte und teilweise bereits beschlossene Verbot von Einwegmaterialien ist eine direkte Konsequenz aus der Erkenntnis, dass kein Mensch wirklich Einkaufs- und Flattertüten, Strohhalme und Teller aus Plastik braucht. Die sorglose Bequemlichkeit der Lifestyle-Generation wird das vielleicht nicht gutheißen, aber nicht wenige werden sagen: „Wenigstens passiert was!“

 

Dabei wird allerdings übersehen, dass das lediglich mehr oder weniger kurzsichtiger Aktionismus ist, der das Problem nicht lösen wird.

 

Und was sollte getan werden?

 

Das strategische Ziel ist klar: Plastikmüll muss raus aus unserer Umwelt. So weit, so simpel. Dem gegenüber stehen aber zwei Herausforderungen, die es in sich haben:

  • Wir müssten dafür sorgen, dass wirklich alle Plastikprodukte nach ihrer Nutzungsdauer überall sicher entsorgt werden.

  • Und wir müssten Mittel finden, um zu verhindern, dass schon während der Nutzung Plastik in die Umwelt gelangt, zum Beispiel durch Verschleiß.

Das dürfte, gelinde gesagt, schwierig werden. Wir sind aber strategisch noch nicht am Ende, sondern müssen ganz einfach eine andere Lösung suchen. Vielleicht ist – wie 1961 – die staatliche Verordnung des Ziels und die Unterstützung mit geeigneten Rahmenbedingungen ein guter Weg. Damals hat das in den USA ja auch geklappt, und in Europa weisen beispielsweise das Verbot von Glühlampen, Emissions-Grenzwerte oder einheitliche Ladegeräte für Mobiltelefone den Weg.

 

Das Ziel lässt sich ganz einfach formulieren:

 

„Ab 2035 muss jedes erzeugte Kunststoffprodukt vollständig und innerhalb einer kurzen Zeitspanne biologisch abbaubar sein.“

 

Einzelne entsprechende Produkte gibt es ja schon; es muss also nicht bei null angefangen werden. Natürlich sollte die staatliche Regulierung nur das letzte Mittel sein, um die „unsichtbare Hand“ der freien Märkte in die richtige Richtung zu bewegen. Hier dürfte es aber kaum anders funktionieren. Um global den nötigen Druck zu erzeugen, können die größten Wirtschaftsnationen zusammenarbeiten und Einfuhrverbote für alle Erzeugnisse verhängen, die der Regel nicht entsprechen.

 

Wie 1961, wird es natürlich auch hier Mahner geben, die sehr glaubhaft versichern, ein solches Ansinnen sei vollkommen unrealistisch und könne nur von jemandem kommen, der ja keine Ahnung hat. Aber genau wie 1961 wird es Menschen geben, die die Herausforderung anpacken und Lösungen schaffen. Und dieser Gedanke ist doch ermutigend.

 

Alle sagten: „Das ist unmöglich.“ Dann kam einer, der wusste das nicht. Und hat es einfach getan.

 

Noch Fragen?

 

Über den Autor:

 

Dr. Heiko H. Stutzke ist Diplom-Ökonom. Seit 2013 ist er Geschäftsführender Gesellschafter des Strategiebüro Bremen.

 

Das Team des Strategiebüro Bremen begleitet Unternehmen und Institutionen im privaten und öffentlichen Bereich bei der Durchführung erfolgreicher Workshops – von individuellen Themen bis zur Entwicklung von Zukunftsstrategien. Wir sind Mitglied des Digitalisierungs-Beraterpools der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH.

 

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